Art at Work – Luxemburg
Kunst und Architektur als Gesamtkonzept
Der Dialog zeitgenössischer Architektur und aktueller Kunst bedeutet oft eine besondere Herausforderung. Denn oft treten beide in ein Konkurrenzverhältnis um visuelle Herrschaft, die Künstler und Architekten rivalisieren lässt. Nicht so in der Deutschen Bank Luxemburg, wo beide Künste in einen einzigartigen Dialog treten, der alle Kräfte zu einem gelungenen Gesamtkunstwerk bündelt.
Architekt und Pritzker-Preisträger Gottfried Böhm entwarf zunächst das Bankgebäude, das 1991 nach rund vier Jahren Planungs- und Bauzeit seiner Bestimmung übergeben wurde. Von Anbeginn galt der gemeinsame Konsens der Bankbauherren und des Architekten in dem vor allem aus Stahl, Beton und Glas konzipierten Bau eine ständige Kunstsammlung, sowie gleichermaßen Wechselausstellungen zu präsentieren.
Als knapp zwei Jahre später im Herzen des Gebäudes, der zentralen kuppelüberdachten Halle die bronzene, neun Meter hohe Großskulptur von A. R. Penck “Delphi heliotroph“ platziert wurde, hatte das überzeugende Konzept, sein standhaftes Symbol gefunden. Mit der zentral platzierten Plastik stehen auch die anderen Kunstwerke nicht nur für eine Auseinandersetzung mit existenziellen menschlichen Themen, sondern auch für eine ganze Epoche der Gegenwartskunst: die neue Figuration, die in den späten siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts ihren Siegszug aufnahm und eine Hauptrolle in der Kunst der achtziger Jahre spielen sollte. In der Luxemburger Sammlung sind viele Namen aus eben dieser Zeit vertreten: Pencks Künstlerfreund Jörg Immendorff, Markus Lüpertz, Dieter Krieg, K.H. Hödicke oder Helmut Middendorf. Vom zentralen Standort der Penck-Skulptur ist auch eine Arbeit eines anderen Weggenossen zu sehen: Auf einem der offenen Umgänge, die an die berühmte Rotunde des New Yorker Guggenheim-Museums erinnern, setzt Georg Baselitz’ großformatige Leinwand „Bildeinundzwanzig“ einen prominenten Akzent.
Neben diesem Fokus konzentriert sich das Luxemburger Konzept auf Künstler aus dem deutschsprachigen Raum, wobei zudem konstruktiver und informeller Malerei eine Bühne geboten wird. So auch Emil Schumacher, dessen Hauptwerk „Musco II“ von einem höher gelegenen Balkon herunter strahlt.
Auch der zweite Pfeiler des Luxemburger Kunstkonzepts, Wechselausstellungen in der großzügigen Haupthalle zu präsentieren, wurde konsequent verfolgt: Seit Eröffnung fanden hier rund 30 Präsentationen einzelner Künstler und unter thematischen Aspekten kuratierte Ausstellungen statt. Von Dieter Roth, Günther Förg und Imi Knoebel hin zu Katharina Sieverding, Marie-Jo Lafontaine und Michael Wesley – eine Liste hochkarätiger Vertreter der Gegenwartskunst. Ein weiteres Highlight war die Ende 2001 gezeigte Schau mit Arbeiten von Gerhard Richter aus vier Jahrzehnten: Die Exponate stammten zum einen aus dem Eigentum der Deutschen Bank, zum anderen von privaten Leihgebern. Aber auch mit Ausstellungen wie „Das Menschenbild in der zeitgenössischen Skulptur“ und „Junge Kunst in der Deutschen Bank“ gelang es, eine breite Öffentlichkeit auch außerhalb des Unternehmens für zeitgenössische, künstlerische Arbeiten zu begeistern.
Ganz in diesem Sinne beteiligte sich die Bank 2006 an einem Tag der offenen Tür, in dessen Rahmen verschiedene Luxemburger Unternehmen ihre Kunstsammlungen öffentlich zugänglich machten.
Nicht zuletzt auf diesem Weg gelingt es, über die Gegenwartskunst der Architektur Gottfried Böhms in ihrer Offenheit und ihrem kommunikativen Charakter zu entsprechen und ein tatsächliches Forum zu schaffen; ein Forum, das die Möglichkeit bietet, sich nicht ausschließlich mit der Wirkung von Kunst am Arbeitsplatz, sondern darüber hinaus mit dem immensen Ideenpotenzial der zeitgenössischen Kunst auseinanderzusetzen.
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