Art at Work - Frankfurt IBC-B
Weit mehr als die ewig Zweite – die Frankfurter Sammlung im „Individual Business Concept“ Gebäude (ibc).
An einer der Hauptachsen zur Stadtmitte liegt an der Frankfurter Theodor-Heuss-Allee das so genannte ibc der Deutschen Bank. Der Gebäudekomplex ist nicht nur Hauptsitz von Private & Business Clients, sondern wird auch in wenigen Monaten nahezu 3000 Bankkollegen aus den Zwillingstürmen eine zweite Heimat bieten. Bis die „neuen Kollegen“ kommen, wird noch vieles vorbereitet - doch schon jetzt ist das ibc nicht nur ein eindrucksvoller Bürokomplex, sondern birgt außerdem eine ganz besondere Kunstausstattung mit zahlreichen, exklusiv für diesen Ort geschaffenen Werken.
Auf rund 30.000 Quadratmetern arbeiten hier über 1000 Menschen in einem Ambiente aus Glas, Stahl, Naturstein und Beton. Neue Großraumbüros und mobile Arbeitsstationen, so genannte „smart offices“, die im Haus das Teamwork unterstützen sollen, haben nicht nur die Kunst vor Herausforderungen gestellt. Wer jedoch das sich bis zur siebten Etage hin öffnende, Licht durchflutete Atrium der Haupthalle betritt, entdeckt schnell die gelungene Symbiose aus Kunst und Arbeitswelt. In der Lobby schwebt hoch über dem Empfangs-Counter, zwischen den die Nord- und Südteile der Halle verbindenden Brücken, Olaf Metzels gigantische Skulptur Cashflow. Inspiriert von den Bézier-Kurven, die sich häufig sich als Bildschirmschoner auf den Computerscreens winden, übertrug der Künstler deren Gitterstruktur ins Dreidimensionale. „Diese Kurvenstruktur“, so Metzel „erscheint nur, wenn nicht am Computer gearbeitet wird, der Mensch nicht am Arbeitsplatz ist. Dieses Motiv habe ich aufgenommen und versucht, es in meiner Arbeit thematisch mit dem flexiblen Arbeitsplatz im „Smart Office“ zu verbinden. Auch dort muss mal Pause gemacht und abgeschaltet werden. Ob man nun ganz traditionell unterwegs zum Arbeitsplatz ist oder mit dem mobilen „Smart Office“ ständig umzieht, mich interessieren die Übergänge und Zwischenräume.“
Themen wie permanente Effizienz, aktuelle Arbeitsstrukturen sowie elektronisch vernetzte Kommunikation inspirierten auch die anderen Werke des ibc.
So schuf etwa Andreas Schulze in seinem dreiteiligen Wandgemälde aus Spiralen und Kugeln die Buchstaben PBC - in Anlehnung an den hier bezogenen Hauptsitz von Private & Business Clients der Bank und verwandelte diese Arbeitswelt in ein surreales Stillleben. Günther Förgs große „Fensterbilder“ illusionnieren den Blick nach draußen, während Hubert Kiecol mit Schriftbildern eine Art „Übergangsraum“ schuf. Mitten in einem Großraumbüro hat Ina Weber einen altmodischen englischen Club installiert, einen gläsernen Anachronismus mit Ledersesseln, Holzvertäfelung, Nischen, samt Büchern und einem flauschigen Teppichboden, auf den die Künstlerin sorgfältig Kaffeeflecken hingetupft hat.
In der Eingangshalle begrüßt Heiner Blums digitales Leitsystem Wir und Wo: „You are here. Have a nice day“, für das Blum ein aus mehreren, über das Gebäude verteilten Displays, mit gepixelten Porträts der Mitarbeiter einen Ariadnefaden entwickelte: „Man sieht eine konkrete und zugleich abstrakte Person und hat das Gefühl, diese Person bereits zu kennen. Es ging mir darum, die Leute, die in dem Gebäude arbeiten, in das Orientierungssystem zu integrieren - also das Signal zu geben, hier geht es auch um die Kommunikation zwischen Menschen.“
Und noch eine künstlerische Besonderheit charakterisiert das ibc – nämlich Karin Sanders Werk zweier, rechts und links der Eingangszone angebrachter, weiß spiegelnder Rechtecke. Das Unverständnis der Mitarbeiter, die zunächst mit ihrem Ausweis den ersten Sicherheitscheck durchliefen und dann eine scheinbar zweite, sie reflektierende Sicherheitsschranke zu passieren hatten, war immens. Wirklich niemand bleib von den weißen auratischen Wandstücken anfangs unberührt. Doch je deutlicher die Ablehnung der einen, desto emphatischer die Zustimmung der anderen – blickte doch jeder auf sich und durchlief in dieser Bewegung verschiedene Stufen der Selbsterkenntnis. Nun hieß es also Farbe bekennen – in unerwarteter Situation Haltung zu entwickeln. Je radikaler die Leere von jeglichem persönlichen Ausdruck, desto größer wurde das Bedürfnis nach subjektiver Kommentierung. Doch dass es damit die Kunst der Bank wieder einmal geschafft hat, über Selbstreflexion und Erkenntnis hinaus für einen Diskurs kulturellen Mehrwerts zu sorgen, bestreitet niemand.
|
|
Deutsche Bank Frankfurt IBC-B
Theodor-Heuss–Allee 72
60486 Frankfurt
CSR-Art
Dr. Danielle Pippardt
Claudia Schicktanz
mailbox.kunst@db.com
|
|
|
LINKS
|
|
|
|